Brettenfeld aktuell
Bartenmühle soll wieder klappern
Im nächsten Jahr soll das 4,70 Meter große Mühlrad einen Generator antreiben
Eine gewaltige Aufgabe hat sich Mühlenbesitzer Walter Grund aus Brettenfeld gestellt. Der rüstige Pensionär will das 4,70 Meter große Mühlrad der Bartenmühle wieder in Gang setzen und damit Strom erzeugen. Derzeit laufen bereits die Arbeiten am Wasserzulauf.

"Es wäre das einzige von ehemals etwa 20 Mühlrädern an der Brettach", erzählt Grund. Der 74-jährige Pensionär hat sich den Erhalt der 1430 erstmals urkundlich erwähnten Bartenmühle zur Lebensaufgabe gemacht. Auch seine beiden Söhne interessieren sich dafür, berichtet er. Grund verbrachte in der Bartenmühle seine Kindheit. Entlang der Brettach kennt er fast jeden Stein. Der Hobbyhistoriker geht davon aus, dass die Bartenmühle schon knapp 1000 Jahre alt ist und ursprünglich dem Adelsgeschlecht der Bebenburger gehört hatte.
Aus beruflichen und familiären Gründen wohnte Grund viele Jahre in Stuttgart. 1979, als er noch voll berufstätig war, zog es ihn aber wieder an den Ort seiner Jugend zurück. Als Außendienstmitarbeiter eines Telekommunikationsunternehmens übernahm er den Bezirk von Heilbronn bis Wertheim. "Da lag die Bartenmühle als Wohnort ganz geschickt", meint er. Auf keinen Fall will Grund, dass die Bartenmühle das gleiche Schicksal erleidet wie die Heinzenmühle an der Jagst un­terhalb von Bölgental. Von der Hein­zenmühle stehen nur noch traurige Reste der Grundmauern.
Möglichst zügig will Grund mit den Arbeiten an der Bartenmühle vorankommen. "Mit jedem Jahr, das ich später dran bin, bezahlt die EnBW weniger für den eingespeisten Strom", erklärt der rüstige Rentner. Grund hofft deshalb, dass er mit seinem kleinen Wasserkraftwerk schon im nächsten Jahr ans Netz gehen kann.
Seine Eltern Friedrich und Lina Grund hatten das stattliche Anwesen 1919 von Walter Grunds Onkel Johann gekauft. Der Mühlbetrieb war schon um das Jahr 1910 eingestellt worden. Zur Mühle gehörte einst auch ein Sägewerk. Grunds Mutter Lina stellte in der Bartenmühle Strohseile her. Diese wurden vor allem in der Landwirtschaft zum Garbenbinden verwendet.
Nach dem Tod von Lina Grund zogen Walter Grund und seine Hilde 1979 in die Bartenmühle
Seit dem Entschluss, in die stillgelegte Mühle zu ziehen, hat das Paar viel Geld in den Erhalt und Renovierung des Anwesens gesteckt. "Das hätte schon ein kleines Einfamilienhäuschen gereicht meint Walter Grund.
Das Leben in der Natur möchte der Rentner nicht mehr missen. Er schwärmt von Eisvögeln, Steinkauzen und Turmfalken, die dort schon ihre Jungen großgezogen haben: sogar von seltenen Silberreihen die sich im Frühjahr einige Tage lang an der Brettach aufgehalten hatten.
Doch die Natur hat auch ihre Tücken. In den vergangenen Jahren gab es an der Bartenmühle immer wieder Probleme mit Hochwasser, 1998 erreichte der Wasserpegel laut Walter Grund seine bisherige Höchstmarke. Die Wasserradstube stand meterhoch unter Wasser.
Der Generator für die Stromerzeugung soll deshalb so hoch anbracht werden, dass er auf keinen Fall "Kontakt mit dem Wasser kommen kann", erläutert Grund. Denkbar sei auch, den Generator im Nebenraum zu installieren. "Reich werde ich durch die Stromerzeugung nicht", meint Grund.
Beim Renovieren will er die Hilfe des 79 Jahre alten Schmiedemeisters Karl Ströbel aus Blaufelden Anspruch nehmen. Ströbel kennt sich mit alten Mühlen gut aus. Seit Jahren arbeitet er ehrenamtlich in der ebenfalls wasserbetriebenen Hammerschmiede in Gröningen
An der Bartenmühle befestigen derzeit Bauhandwerker die Trennmauer zwischen zwei Wasserzuläufen. Später gilt es, die Wasserradstube freizulegen. Auch am Wasserrad selbst hat der Zahn der Zeit heftig genagt. Viele Metall- und Holzteile müssen ersetzt werden, ehe es wieder heißen kann: "Es klappert die Mühle am rauschenden Bach" - und erzeugt dazu auch noch weltfreundlichen Strom.
Walter Grund am Wasserrad der Bartenmühle. Der Zahn der Zeit hat reichlich am Wasserrad genagt - es Bedarf viel Arbeit um alles wieder in Gang zu setzen.